Gleiche Leistung von Allen

geschrieben am Samstag, 28. Oktober 2017 um 01:11 Uhr.

Es ist doch noch ein bisschen komplizierter, als es in diesem Beitrag von Klopfer dargestellt ist. Natürlich sollen alle am Ende der Ausbildung das gleiche Leisten können und sollten dies auch tun ohne das auf das Geschlecht besonderen Wert gelegt werden muss. Es gibt aber keinerlei Beweise, ob nicht doch die männerdominierte Informatik durch ihre auch wiederum männerdominierte Fachdidaktik auf Frauen eher abschreckend wirkt, weil es eben kaum Frauen gibt, welche große Auswirkungen auf eben diese Fachbereiche haben können.

Nicht falsch verstehen: Ich finde es auch dumm, wenn man einfach Sachen in Systeme einführt oder ändert ohne vorher zumindest sämtliche Daten zu erheben, zu analysieren und drüber zu diskutieren! Sowas geschieht heutzutage zu selten und lieber nimmt man dann einen Fehlschlag hin (siehe G8 in NRW bzw. bundesweit) und jammert dann, dass es doch keine gute Idee war, obwohl die Zeichen vorher schon auf Chaos standen. Wer darf es dann ausbaden? Die Pädagogen und vor allem die Schülerinnen und Schüler von solch einem Schulsystem, welche sich dann wieder anhören dürfen, das sie ja nichts lernen würden und auch sonst nicht leistungsfähig wären.

Sich aber schon vor einer Diskussion gegen solche Versuche vollkommen zu sperren, ist genauso verkehrt wie völlig überhastet etwas umzusetzen. Ich sehe eher eine Chance darin, die Didaktik auch an einem weiblichen Publikum auszurichten, indem man sich ausprobiert.

Einer der häufigsten Fragen, welche von Schülern (männlich) zu Beginn eines Informatikkurses gestellt wird, ist doch: “Wann programmieren wir?” oder “Wann dürfen wir die Rechner anmachen?”. Dementsprechend wird auch der Unterricht an dieser Maschine und dieser Nachfrage ausgerichtet, um dieses Verlangen zu stillen. Jeder der Informatik studiert (und dazu gehören vorallem auch die Frauen) werden einem bescheinigen: Informatik ist kaum am Computer, vor allem im Kopf und geht auch auf dem Papier!

Sollte diese Sensibilisierung der Lehrkräfte bereits ausreichen um den Unterricht auch für Mädchen attraktiver zu machen, denn dadurch sind auch enaktive Formen des Informatikunterrichts möglich, wie es z.B. bereits bei Computer Science Unplugged genügend Beispiele gibt, eröffnen sich dem Lehrenden ein breitere Unterricht. Die Schülerinnen dürften Informatik dann auch mehr als nur ein Fach der “Computer”-Wissenschaften begreifen und die Schönheit von Algorithmen und den Spaß an der Transformation erkennen. Auch die Nützlichkeit der Mathematik könnten dadurch den Schülerinnen und Schülern begreifbar gemacht werden, denn dies kommt häufig viel zu kurz. (Nicht umsonst fallen so viele im ersten Semester in der Uni auf die Nase, weil die Mathematik sie so stark fordert)

Am Ende eines Informatikunterrichts sollte natürlich die Kompetenz stehen, dass die Schülerinnen und Schüler kleine Programme schreiben können. Aber eigentlich ist es wichtiger Algorithmen zu verstehen und sie auch aufstellen zu können, als diese in einer beliebigen Sprache schreiben zu können. Denn schließlich sind die Sprachen nur das Werkzeug, aber ohne das ich weiß wie diese anzuwenden sind, ist es eben schwer auch mit ihnen wirklich Freude zu haben. (Ich möchte mir in diesem Fall die Hammer und Nagel Metapher sparen)

Am Ende möchte ich aber nochmal klar stellen: Natürlich ist der Informatikunterricht nicht mit einer bösen Absicht so männerzentriert konzipiert und vor allem nicht wegen einem möglichen Patriarchat, welches keine Frauen reinlassen möchte, so uninteressant für Frauen bisher gewesen. Aber man sollte zumindest eine Diskussion um das Thema “Frauen in der Informatik” zulassen und entsprechende Vorschläge nicht direkt verteufeln.