Battlefront 2 (2017) ist komplett missraten

geschrieben am Freitag, 17. November 2017 um 12:39 Uhr.

tl;dr: Titel lesen! Unten noch kurzes Fazit. Spiel ist im Multiplayer aktuell nicht zu empfehlen.

Das ist doch wahrlich eine Frechheit! Da ist EA mal so “nett” und lässt das neue Battlefront für nur 4 Euro jeden Interessenten fast 2 Wochen vor offiziellen Release spielen (was eigentlich eine Frechheit ist, weil Vorbesteller keinen Zugang bekommen außer die 3 Tage vor Release!) und was kriegt man? Ein unausgereiftes, mit Pay2Progress (diesen Begriff gab es vor dem Spiel nichtmal!) zugeschissenes Levelsystem. Die Maps sind unausgeglichen, bieten teilweise keine Deckung für die Verteidigung. Spawnrape auf fast allen Karten in jedem Stadium. Und dann noch diese Pingprobleme. Die Entwickler sagen ja nicht umsonst schon seit Jahren nicht, welchen Ping man in Spielen zu einem Server hat, indem eine solche Anzeige in aktuellen AAA-Spielen fehlt. Aber hier merkt man sogar die schlechten Bitraten und den viel zu hohen Ping erheblich! Aber machen wir das mal geordnet.

Das Menü

Man denkt, man weiß wie ein Spiel funktionieren sollte. Man startet es, sieht sofort, wo man hinklicken muss und kann dann loslegen mit den Einstellungen. Diese zu finden ist einfach und sind auch schnell angepasst. Aber manche Slider lassen sich einfach schwer drücken. Und manche klicken sich auch gern man von alleine: So z.B. der Slider für die automatische Grafikanpassungen. Dieser setzt sich auch um, selbst wenn man nicht auf die Pfeile drauf drückt sondern nur leicht daneben.

Aber vor allem ist das Menü in dem wichtigsten neuen Feature am schlimmsten… dem Auffinden und Öffnen von Kisten aka Lootboxen. Erstens kann man zu diesem Menüpunkt nur über das Hauptmenü. Heißt, man muss erst komplett zurück gehen, wenn man sich zB in den Optionen befindet mit ESC. Und dann kauft man sich eine Lootbox. Das registrieren die Server aber erst nach ungefährt 5 Sekunden. Dann fängt die Animation an, welche viel zu lange dauert. Diese abgeschlossen, erscheint erst nach ungefähr 2 Sekunden die Möglichkeit die Karten umzudrehen, egal ob alle einzeln oder zusammen. Und ist man dann noch nicht genervt, dann kann man sich ja mal in dem Karrierefenster seine Archivements freischalten für zusätzliche Lootboxen und andere Belohnungen. Diese Vorgang dauert aber nochmal so lang wie eine einzelne Kiste. Du suchst dir ein Archivement aus und wartest, dass Du ihn einlösen kannst. Sobald der Button, dauert meist um die 5 Sekunden, dann verfügbar ist, klickt man diesen. Dann sucht man in der endlosen Liste nach dem nächsten und will dieses aktivieren. Und dann wartet man wieder 5 Sekunden. Und wieder. und wieder. Jedes mal, wenn man ein bisschen was geschafft hat. Das nervt mich bereits nach den ersten paar Leveln.

Aber das reicht uns nicht? Dann gibts jetzt die Serversuche!

Die Serversuche

Diese ist wie schon gewohnt ohne Serverbrowser. Ist eigentlich kein Problem heutzutage, solange man ein paar Einstellungsmöglichkeiten hat. Aber DICE scheint nicht darauf gelernt zu haben, was sie in Battlefield auf die harte Tour lernen mussten. Dort hatten sie dann doch Serverbrowser wieder eingebaut, nachdem es bei Bad Company harte Kritik dafür gab. Aber wie gesagt. Solange man wenigstens ein paar Optionen hat, oder zumindest diese Suche gut funktioniert, stört dies auch kaum. Aber was kriegt man? 3x musste ich einen Server suchen lassen, bis ich einen Server bekam, welcher mich spielen lies. Im Ernst EA / DICE? Aktuell habt ihr den Spielerpeak schlechthin und ihr habt ein so miserables Matchmaking? Man sucht einen Server und wird auf einen Leeren geschicht? Kein Problem, wenn dieser sofort gefüllt wäre. Aber ist nicht! Ich saß 5 Minuten da und es kam niemand! Und dann immer die gleichen Karten! Keine Karte aus der Open-Beta bisher in meiner fast 2 Stunden langen Spielesession! Dafür 3mal hintereinander die beiden gleichen im Modus Galactic Assault. Immer im Wechsel! Übrigens: Die Trial-Version soll die vollständige Version sein wie zum Release! Und damit kommen wir zu…

Die Maps

Ob diese Maps representativ sind für die spätere Release-version? Eigentlich schon! Denn wie gesagt, die Trial soll die Vollversion sein! Und dafür sind beide Maps (Kashyyk und Maz Palast) verdammt schlecht ausbalancierte Maps. Während die Angreifer auf beiden Seiten eher offen spawnen, müssen die Verteidiger viel zu weit laufen um die nötigen Raketenwerfer aufzusammeln. Dann dauert das Abfeuern viel zu lange, während man meist völlig offen im Raum steht. Vor allem Kashyyyk ist die Sniper-Map schlechthin. Dort kriegt man vor allem auf den ersten beiden Stadien häufig Sniper als Squadmitglieder. Aber auch der Palast ist schlecht. Granatenspam ist dort viel zu effektiv, da es kaum Angriffsrouten seitens der Verteidiger gibt auf die Punkt. Lediglich weit außen rum ist eine Option oder mitten drauf. Der Palast in der dritten Phase ist dann meist nur noch eine Farce, denn die Verteidiger können zu leicht mit Granaten im Spawn gehalten werden, während die Angreifer viele Pfade als Ausweg haben. Klar könnte man als Verteidiger einen elendig langen Weg außen rum gehen, aber da vergisst man schnell, dass Battlefront 2 kein Teamspiel ist, auch wenn es ein Squadsystem gibt.

Schön ist auch, dass man als Verteidiger auf Kashyyyk und auch dem Palast sehr gerne mal auf freiem Feld laufen darf um zu seiner Aufgabe zu kommen. Während die Angreifer auf Kashyyyk nur auf dem Strand sehr offen stehen, stehen die Verteidiger nach dem Dorf fast 200m im Nichts da. Sie spawnen übrigens da. Heißt es gibt Spawncamping vom feinsten. Die MTTs (die man eigentlich zerstören soll mit Ionen-Waffen, welche im Dorf liegen, wo wir ja kaum hinkommen aufgrund von fehlender Deckung) können direkt in den Spawn schießen! Und sie machen, im Gegensatz zur Open-Beta sehr viel mehr Schaden als nötig! Wahrscheinlich macht hier der Ping sein übriges. Hier fangen sogar dann die schlechtesten Piloten an, auf die Bodentruppen zu feuern. Es gibt ja nichts, worunter man sich verstecken könnte.

Du denkst, ach das geht doch noch? Okay, ich habe mehrere Runden jetzt schon gehabt, wo die Jedi- oder Sith-Helden mit ihren Leuchtfummeln im Spawn von meinem Squad standen und uns wegrasiert haben. Da man auch so schön nah aneinander steht, reicht auch meist ein Schwung und 2 sind Tod. Die anderen beiden gehen dann auch schnell durch die Fähigkeiten drauf. Auf Kashyyyk hatte ich das bisher in allen meinen Runden, welche ich auf den Maps gespielt habe. Ob auf meiner Seite oder auf der Gegnerischen. Das nennt EA also Spaß…

Das Squadsystem

Man wird nach dem Tod zufällig in ein Squad mit fremden Leuten zusammengewürfelt. Man weiß eigentlich nicht, bis auf die kurze Zeit vor dem Spawn, wo man bereits seine Klasse gewählt hat, nicht, was die Mates so gewählt haben um sich anzupassen. Macht auch eh keinen Sinn, denn eigentlich rennt nach dem Spawn jeder überall hin. Obwohl es mehr Punkte gibt für jede Aktion, wenn man zusammen rumläuft. Die einzige Klasse, welche von einem Squad profitiert ist der Offizier. Aber auch der braucht eigentlich keinen, denn seine Fähigkeiten gelten auch für alle außerhalb des Squads. Und reanimieren kann er auch nicht. Und sollte man etwas länger Leben als der Rest, so steht man nach kurzer Zeit ohne einem Squad da. Man wird auch nicht neu zugeordnet. WTF? Wozu dann das also? Beim Spawnvorgang wird man sofort aufgestellt, falls ein Squad vollständig ist. Falls nicht, wartet man die vollen 10 Sekunden. Und wird rasiert wegen Spawncamping. Da dieser ganze Vorgang eh zufällig ist, kommt es (komischerweise) nicht selten vor das 3 Sniper oder 4 Offiziere in einem Squad stehen und alle anderen Squads niemanden haben.

Das Heldensystem

Ich mag eigentlich die Idee, dass man für gutes Spielen auch stark belohnt wird. Dazu gehören dann auch Helden. In Call of Duty sind es halt dann die Killstreaks, welche man in einem Leben zusammenkriegen muss. Bei Battlefront kann man dies über die Tode hinaus schaffen. Gute Idee. Aber wenn ein Spieler alleine es schafft, das komplette Gegnerische Team in Schach zu halten, dann läuft da wohl was falsch. Am Ende einer Runde steht dadurch ganz gerne mal ein Spieler mit über 30 Kills mehr als der Zweitplazierte. Selbst dieser kann dann auch nochmal 10 mehr haben als in deinem eigenen. Das ist dann Spielspaß pur, denn man kommt nicht aus diesem Teufelskreis raus. Ein koordiniertes Vorgehen ist dann auch nicht möglich um auf die nötigen Punkte zu kommen um selbst im anderen Team zu rasieren. Dafür sind die Objectives meist für die Helden völlig uninteressant oder eine reine Todesfalle, denn dort sind fliegen gut und gerne mal die Granaten. Und durch den Ping ist da einfach nix mit ausweichen. Weiterhin fühlen sich die Fernkampf-Helden zu schwach gegen die Laserschwerter, aber zu stark gegen normale Spieler an. Da ist was ganz gehörig schief gegangen beim Testen.

Das Third-Person-Problem

Eigentlich hat das Spiel eine First-Person, welches eine hervorragende Bewegungsgefühl überliefert. Auch die Waffenmodelle sind schick und das Spiel wirkt sehr rund darin. Aber sobald Du 5 Minuten darin spielst, fragst Du Dich, ob es schon Cheater in diesem Spiel gibt. Und ja, dass ist dieses Problem. Denn es gibt eine Third-Person, womit man seinen Charakter aus der Schulterperspektive sieht. Dies führt also dazu, dass man in Battlefront, genauso wie in PUBG oder H1Z1, sich nicht zeigen muss und trotzdem um Ecken schauen kann. Das Problem sollte damit einem schon bewusst sein. Während Du dich dem Feind näherst, kann dieser hinter einer Ecke stehen und dich sehen. Du ihn hingegen nicht. Durch den hohen Ping und der schlechten Hit-Detection kann nun also der Gegner seine nächsten Schritte überdenken und ausführen, während Du noch gar nichts siehst. Und dann bist Du schon Tod. Habe ich schon gesagt, dass die Granaten auf vielen Karten sehr stark ausfallen? Nein? Tun sie. Denn damit kann der Gegner ganz kurz um die Ecke kommen, die Impact-Granate werfen und wieder zurück und Du siehst nichts weiter als ein kurzes aufblitzen der Granate und erst danach den Spieler. Tolle Technik. Seitwärts Laufen ist damit sehr stark.

Das Pay2Progress-System

Ich hatte eben schon erwähnt, dass es Lootboxen gibt. In diesen gibt es sogenannte Starcards. Diese ermöglichen es, eine Klasse ein wenig anzupassen. Alle Fähigkeiten haben damit 2-3 Alternativen und damit kann eine Klasse aggressiv, defensiv oder eher unterstützend gespielt werden. Eigentlich eine schöne Sache, gäbe es die Starcards nicht in 4 verschiedenen Stärken (Level 1-4). Diese können dann auch gerne mal das Leben des Spielers um 50% oder den Schaden von Waffen um 25% erhöhen. Weiterhin hat jede Klasse verschiedene Waffen mit verschiedenen Stärken. Diese sind in keiner Lootbox drin, aber benötigen zur Freischaltung Metallschrott, welcher entweder durch Archivements freigespielt oder, ohoh… ratet mal, in den Lootboxen enthalten sein kann zB durch doppelte Starcards oder es direkt in der Kiste war. Schöne Kacke, denn die nötigen Credits, womit man die Kisten kaufen kann, kriegt man nur in kleinem Maße durchs Spielen (mein Höchstes waren ~200 in einem Spiel). Das meiste bekommt man durch Archivements. Oder durch Echtgeld, denn damit kann man Kisten ebenfalls bekommen. Eine Kiste kostet übrigens 4000 Credits. Man merkt also, wohin man getrieben werden soll. Der Schrott lässt sich übrigens nicht in Credits umwandeln. Aber mit diesem Schrott lassen sich die Starcards auch speziell auswählen und herstellen. Dafür sind sie aber verdammt teuer und müssen dann einzeln hochgelevelt werden, wobei sie in einer Lootbox in allen Raritäten enthalten sein können.

Fazit

Ich bin froh, dass EA es erlaubt hat für 4 Euro dieses Spiel 10 Stunden lang zu spielen. Ich werde vermutlich nur noch ein paar wenige Stunden in den Multiplayer investieren und dann die Kampagne durchziehen um mir Geld zu sparen. Die oben genannten Kritikpunkte sind mir aufgefallen, nachdem ich nur wenige Stunden gespielt habe. Ich will nicht wissen, was mir da noch auffallen würde bei mehr Zeit. Zwar soll es keine DLCs geben, aber deshalb ein so halbherziges Spiel rauszubringen ist wirklich Frech. Nicht umsonst ist der Shitstorm auf Reddit gerade aktiv. Es ärgert mich aber, weil mir die OpenBeta doch gut gefallen hatte und ich eigentlich Lust hatte auf ein neues, gutes Star Wars Spiel nachdem Battlefront schon vor 2 Jahren nur mau war.

Das Spielgefühl fühlt sich an vielen Stellen einfach falsch an. Die Waffen sind in vielen Fällen nicht intuitiv. Sie fühlen sich einfach nicht gut an. Durch die Third-Person, welche man ja durch die oben genannten Punkte gezwungen wird zu nutzen, um keine Nachteile zu bekommen, hängt man sich ständig irgendwo fest oder hat einfach kein gutes Gefühl für seinen Charakter. Die Granaten bleiben an den verschiedensten Ecken hängen. Ihre Flugbahn und der Wurfwinkel sind einfach schlecht einzuschätzen.

Viele Kritikpunkte sind wahrscheinlich leicht zu beheben durch Patches, andere durch lange Spielzeit. Aber für einen ersten Eindruck ist dies einfach schlecht und hinterlässt keinen guten Einblick. Nicht umsonst schreiben viele Leute im Moment, dass sie ihre Vorbestellungen zurückgenommen haben.

Nachtrag

Anscheinend ist die Trial-Version nicht gleichzusetzen mit der Vollversion! Die Kampagne endet nach 3 Missionen, welche selbst auf dem höchsten der drei Schwierigkeitsgrade einfach lächerlich einfach ist. Die Gegner sind weder sonderlich schlau noch sonderlich gut im Schießen. Lediglich der Hauptcharakter hält sehr wenig aus. Aber solange ihr Granaten und die eine Special-Forces Waffe nehmt, welche mit Rechtsklick eine Granate verschießt, habt ihr keine Probleme. Falls die Waffe im Multiplayer existieren sollte, weiß ich jetzt schon, dass sie mich nervt.

Anscheinend sind außerdem im Multiplayer nicht alle Helden freigeschaltet, sodass Darth Vader und in Zukunft erscheinenden Helden erspielt werden müssen bzw. mit Credits erkauft. Im Moment geht wohl die Zeit von 40 Spielstunden pro Held auf reddit rum. Ob das stimmt, kann ich selbst nicht sagen. Es ist aber schon ein wenig lächerlich, dass sie es nötig haben, Helden freischalten zu lassen obwohl es doch schon Lootboxen gibt. Heißt also, es gibt nicht nur die 4 Klassen (+ 3 Schiffsklassen), welche man freispielen kann / muss um sämtliche Auswahlmöglichkeiten zu haben, sondern auch noch die Helden um auch die volle Auswahl bei einer guten Multiplayerrunde zu haben. Das ist schon etwas merkwürdig. Auch wenn ich es gut finde, dass man gezwungen wird andere Klassen und Waffen auszuprobieren (das ist eines meiner Lieblingspunkte an Titanfall 2), aber wenn ich dann wirklich alles und jeden kleinen Furz freizuspielen habe um es auszuprobieren (vor allem weil ich vor der Freischaltung gar nicht weiß, ob mir die Waffe gefallen wird), ist dies schon richtig schlecht für den Spielspaß. Da denkt man mehr über seine Auswahl nach bzw. schaut sich Videos zu den Waffen etc. an bevor man sich etwas freischaltet. Ist das dann der Sinn von einem Progression-system?

Natürlich soll dies alles der Langzeitmotivation zuträglich sein, aber meiner Meinung nach ist dies eher hinderlich, weil man sieht wie gut die anderen spielen und man doch auch gerne so sein möchte. Und dann kommt die Lootbox-Mechanik ins Spiel und winkt mit dem Eurozeichen.